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Kolumne

Sport in Nordrhein-Westfalen / Sportanlagen in Nordrhein-Westfalen - Bayrische Qualität

Bayrische Qualität

Eine Flanke für den Meister oder die Tücken moralisch einwandfreier Einkaufspolitik...
Gerade noch wurden an dieser Stelle die wilden Einkauf-Safaris der bayrischen Großwildjäger als verwerflich verurteilt. Marodierende Horden geldscheinbewehrter Weißwurstfabrikanten hinterließen nurmehr verbrannte – meist norddeutsche oder verrußte – Erde und ausgeblutete Schmalspurkader, wo eben noch blühende Fußballlandschaften zu bewundern waren. Und wenn in der nächsten Saison ein käufliches Konglomerat aus Bremern, Hamburgern, Schalkern und einem Kölner wieder den Meistertitel für den FC Bayern ins Alpenvorland geholt hat, dann werden sich dem gequälten Rest der Republik nur Neid- und Hohngesänge entlocken lassen: National heißt man sie Plünderer, international Waisenknaben, die nicht mithalten können.

Dabei sollte doch längst mal eine Flanke für die erfolgreichste deutsche Fußballmannschaft aller Zeiten und ihre Macher geschlagen werden. Hier hält man altverdienten Recken die Stange und erfindet notfalls irgendwelche Jobs, damit sie nicht auf der Straße landen. Der Maier-Sepp wurde Torwarttrainer, da gab’s das noch gar nicht. Müller, Rummenigge, Hoeneß selbst, bei den Bayern geht keiner verloren. Oli Kahn wird – vermutlich so 2015 – selbst entscheiden, wie lange er noch im Tor stehen will. Und zu guter Letzt hat man auch noch den 35-jährigen Perspektivspieler Mehmet Scholl weiter verpflichtet, weil im Süden Deutschlands nämlich auch Eleganz und Raffinesse gepflegt werden, selbst wenn dies nur noch für 20 Minuten pro Spiel zu haben ist.

Wenn Uli Hoeneß im Brustton moralischer Selbstgewissheit die Einkaufspolitik spanischer, italienischer und englischer Erfolgsclubs als abenteuerlich und unseriös betrachtet, dann ist dieser bodenständig gebliebene Haudegen einfach glaubwürdig. Und für den Bruchteil der erfreulicherweise nicht ausgegebenen Unsummen, kann man dann in München halt Lincoln, Bordon, Ismael, Podolski, van Buyten und natürlich Mehmet Scholl angucken. Und wer im Fußballgeschäft nun immer noch wild nach der Moral sucht, muss zwölfmal um den Platz rennen und dabei „Gute Freunde kann niemand trennen“ singen...

L.

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