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Kolumne
Das große Mysterium
Über Konkurrenz, Leistung und sonstige Ungereimtheiten in der Torwartfrage...
Natürlich, die Erstbesetzung der Position des deutschen Nationaltorwarts erfolgte schon immer nach anderen Gesetzen als die der Nebendarsteller auf dem Feld. Klar war Uli Stein seinerzeit – zumindest am Ende ihres Konkurrenzkampfes – der bessere Torwart, aber Toni Schumacher hatte einfach das gewisse Charisma. Wie Bodo Illgner in den Nationalkasten geraten ist, darüber grübeln Eike Immel und Andreas Köpke zweifellos noch heute nach. Aber gehalten haben sie im Grunde ja alle ganz ordentlich, also gab’s auch keinen Grund zum Nörgeln. An kleinere und größere Ungereimtheiten war man längst gewöhnt.
Plötzlich nun behauptet Jürgen Klinsmann, der Torwart sei eine Position wie jede andere auch und die Leistung allein entscheidend für die Besetzung, der Konkurrenzkampf dementsprechend offen. Aufmerksame Beobachter freilich fragen belustigt, warum dann nicht der Hannoveraner Robert Enke als Nummer 1 gesetzt ist, spielt der doch seit Monaten in bestechender Form. Oder vielleicht Georg Koch, der im Alleingang dafür sorgt, dass die negative Torbilanz des MSV Duisburg nicht längst in den dreistelligen Bereich vorgerückt ist.
Tatsächlich gilt diese Konkurrenzmöglichkeit nämlich nur für die beiden alten Schlachtrösser Kahn und Lehmann, die sich inzwischen gern mal den einen oder anderen Blackout herausnehmen. Lehmann saß zwischenzeitlich bei Arsenal wegen seiner Fliegenfängerei nur noch auf der Ersatzbank und welche geprellte Rippe Kahn am vergangenen Spieltag daran hindern konnte, einen Ball zu fangen, der ihm beinahe auf den Bauch gesprungen wäre, wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben. Beinahe rührend schon, wie sich die jeweiligen Vereinsverantwortlichen vor ihre letzten Männer stellen, um den hohen Druck von ihnen zu nehmen. Vielleicht lässt sich Uli Hoeneß irgendwie noch in den WM-Kader einbauen, um die gegnerischen Angreifer während des Turniers um etwas mehr Zurückhaltung zu bitten.
Am Ende jedenfalls wird unser leistungsorientierter Nationalcoach rein leistungsgemäß doch wieder den Titan ins Tor stellen oder eben den Lehmann, wir bleiben an die kleineren und größeren Ungereimtheiten der Torwartfrage gewöhnt und schließlich halten die beiden ja auch nicht schlecht!
L.
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