Panik in Zeiten der Weltmeisterschaft
Von Nestbeschmutzern, Lemmingen und der korrekten Form hysterischen Flüchtens.
Zunächst erst mal: Die WM wird stattfinden! Und zwar in Deutschland! Gerüchte, die besagen, der Kaiser habe das Fußball-Fest höchstpersönlich abgesagt und alle Mannschaften wieder ausgeladen, weil er sich durch die Stadien-Gutachten der Olivenöl- und Staubsaugerexperten der Stiftung Warentest beleidigt und kompromittiert fühle, wurden von der FIFA umgehend dementiert.
Was ist denn da aber auch nur in dieses übellaunige Grüppchen von Nestbeschmutzern gefahren? Muss man denn wirklich solch einen Alarm machen, nur weil acht von zwölf Arenen „erhebliche“ bzw. „deutliche“ Mängel im Sicherheitsbereich aufweisen? Die Zeiten, da wir Menschen in Paniksituationen wie die Lemminge reagieren und stampedeartig die viel zu schmalen Treppen hinab Richtung Spielfeld, zuvor allerdings in den umlaufenden Graben, stürzen, sind evolutionsgeschichtlich doch seit 1985 längst überholt. Das Brüsseler Heysel-Stadion ist praktisch eine Art finsteres Mittelalter menschlicher Massenhysterie. Heutzutage erinnert sich der aufgeklärte Paniker zügig seiner Ankunft und flüchtet zielgerichtet dort hinaus, wo er schon hineingelangt ist.
Auch die Sorge, nicht ausreichend befestigte Gegenstände wie Sitzschalen und ähnliches könnten als Wurfgeschosse oder Waffen zweckentfremdet werden, schätzen insbesondere englische, italienische und deutsche Fangruppierungen als höchst übertrieben ein.
Dennoch haben die Betreiber verschiedener Austragungsorte partielles Einsehen signalisiert. In Berlin beispielsweise darf man den denkmalgeschützten Graben zwar nicht zubetonieren (drüberlaufen) oder mit Wasser füllen (durchschwimmen), aber im Falle einer Massenhysterie könnte man eins, fix, drei ein paar hübsche Brücken hinwerfen, über die dann prima panisch zu flüchten wäre.
Kreative Lösungen sind gefragt, am Ende wollen doch auch die Warentester bei der WM dabei und keine Spielverderber sein.
Wenn aber alle Stricke reißen, bleiben in Köln, München, Hannover und Nürnberg immerhin vier brauchbare Stadien übrig, wir dehnen die Weltmeisterschaft einfach auf ein halbes Jahr aus und der wirtschaftliche Aufschwung reicht doch noch für 2007!
L.
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