Alexa running
Trendsport Einkaufsrausch! Über die Verbindung des Schönen mit dem Sportlichen…
Es gibt einen neuen Trendsport aus Berlin, der Metropole der Innovationen und ihrer beweglich-kreativen Erdenker. Er heißt – zumindest vorläufig – „Alexa running“, war aber früher bereits in vereinfachter Form als sogenanntes Weihnachtsshopping sehr angesagt. Man benötigt eigentlich keinerlei Vorkenntnisse, wenn auch eine halbwegs brauchbare körperliche Konstitution. Denn im Grunde handelt es sich um eine ausgewogene Mischung der Volkssportarten Eishockey, K1, Parcours und Einkriegezeck. Oder für unsere Nachwuchsgeneration auf der Computercouch: Eine Verbindung von Jump-and-run- mit Body-Count-Game, nur in echt und ohne Waffen. Man kann allein, zu zweit oder auch in der Gruppe antreten.
Spielort ist in der Regel der neue Super-Mega-Konsumtempel am Alexanderplatz in Berlin, ist aber ohne Spaßverlust auch im Phoenix-Center in Hamburg-Harburg denkbar. Spielzeit täglich außer sonntags in den acht Wochen vor Weihnachten. Aber Vorsicht: Sonnabends zwischen 12 und 16 Uhr sollten nur Profis an den Start gehen, die der ehrgeizigen Aggressivität vor Ort gewachsen sind.
Ziel von „Alexa running“ ist es, in kürzester Zeit eine Route von unten nach oben abzulaufen, die pro Etage drei selbstgewählte Verkaufsplätze umfasst, bei denen vorher festgelegte Artikel, gern Weihnachtspräsente, zu erstehen sind.
„Alexa running“ enthält alles, was einen echten Wettkampfsport ausmacht. Wilde Zweikämpfe und Durchsetzungsvermögen sind ebenso gefragt wie Reaktionsgeschwindigkeit, Geduld und Ausdauer. Und für die Liebhaber des Verbalsports: Trash Talk ist elementarer Bestandteil der sportlichen Strategie, kann aber – falsch eingesetzt – zu großen Zeitverlusten führen.
Trotz des exzessiven Körpereinsatzes, der für eine gelungene Performance zwingend ist, sind gewalttätige Ausschreitungen nicht gern gesehen. Verstöße können hier durchaus vom örtlichen Sicherheitspersonal, so es nicht gerade am Eingang verkloppt wird, mit einer Herausstellung geahndet werden.
Doping ist bei „Alexa running“ ausdrücklich erwünscht, für sensiblere Gemüter sogar unvermeidlich, und kann bei der weihnachtlichen Sportlerbörse vor dem Haupteingang in Form von ein, zwei Glühwein oder Grogs unter fachlicher Aufsicht eingenommen werden. Wer während des Wettkampfes die Kräfte schwinden fühlt, darf auf allen Etagen die unterschiedlichsten Versorgungsstationen anlaufen und nachladen.
Gewinner ist nicht nur, wer am schnellsten verletzungsfrei wieder rauskommt, sondern jeder, der am heiligen Abend im trauten Familienkreise Weihnachten immer noch für das Fest der Liebe hält! In diesem Sinne: Auf die Plätze, fertig…
L.
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