Ende und Aus
Von jungen Wilden und alten Meistern. Das Ende einer ungewöhnlichen Saison und das Ende einer ungewöhnlichen Fußballkarriere!
Na also! Am Ende wollte doch einer Meister werden. Aber die Stuttgarter scheinen in diesem Jahr eh alles anders machen zu wollen. Während Schalke und insbesondere Bremen wahre Titelverweigerungsorgien feiern, gewinnt die sympathische Truppe der Zauber-Veh einfach mal die letzten acht Spiele.
Im Management setzt man auf einen Anfänger, dessen größte Jobqualifikation sein trickreiches Spiel als gerade noch aktiver Fußballer war, und mit Armin Veh hält man an einem Trainer fest, für dessen Rausschmiss nach drei Spieltagen in den Wettbüros nicht mal mehr ein Glas saure Gurken zu gewinnen gewesen wäre. Der mit solchen Vertrauensvorschusslorbeeren ausgestattete Coach stellt nun kurzerhand die jüngste Mannschaft der gesamten Liga auf’s Feld und überträgt die strategische Verantwortung keineswegs irgendwelchen weltmeisterlichen Italienern, Franzosen oder Brasilianern, sondern zwei kaum bekannten Mexikanern.
Endlich, möchte man meinen, wird unkonventionelles Vorgehen belohnt, endlich trifft es mal die Richtigen! Ob man dieses Vertrauen in die selbstplanierte Erfolgsspur auch vor den Toren der Champions League behält, werden die nächsten Wochen zeigen, wenn all die anderen Großen ihre ausgiebigen Einkaufstouren abgeschlossen haben.
Aber eigentlich sollte es in dieser Kolumne gar nicht um den Meister, den glücklosen Zweiten oder den durchgedrehten Dritten gehen. Nein, tatsächlich ist an diesem letzten Spieltag der Saison 06/07 etwas wirklich Wichtiges passiert.
Einer der besten und nebenbei unterhaltsamsten Spieler der letzten fünfzehn Jahre hat seinen Abschied gegeben. Und wie! Mehmet Scholl durfte noch einmal ran, hat gezaubert wie zu besten Tagen und - dem allmächtigen Fußballregisseur sei’s gedankt – durfte sogar noch einmal selbst treffen.
Kaum etwas in der Karriere dieses feinen Technikers verlief so reibungslos wie diese Abschiedsinszenierung und für den Moment kam die Frage auf, ob der gebeutelte FC Bayern diese Seuchen-Saison nicht besser hätte abschließen können.
Spielertypen wie Scholl gibt es nur wenige und lauscht man Interviews mit blitzend-geistvollen Rhetorikassen wie Podolski, Klose oder Boateng ahnen wir, dass auch die fehlenden Auftritte außerhalb des Platzes eine dumpfe Lücke hinterlassen werden.
Schlampiges Genie hin, unvollendete Karriere her, Scholls könnte die Bundesliga wahrlich noch einige vertragen, diesen hier wird man in Zukunft jedenfalls vermissen!
L.
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