Trainerfrage zum Zweiten!
Von anonymen Informanten, politischen Freizeitfußballmanagern und zielorientiertem Kopfschütteln…
In den frostigen Zeiten des Ausbleibens sportlicher Erfolge, insbesondere im hochbezahlten Fußballgeschäft, ist der Trainer die ärmste Sau! Diese Fußballweisheit hat inzwischen ungefähr soviel neuen Erkenntniswert wie der Hinweis, dass der Papst womöglich katholisch sei.
Neu aber ist dann doch, dass diese Sau offensichtlich von jedem anonymen Denunzianten oder politischen Hinterbänkler durchs Dorf getrieben werden kann. Unter löblicher Mithilfe der Medien natürlich.
Als die ARD in der vergangenen Woche mit Hilfe eines brandaktuellen Meldungs-Laufbands die Falschmeldung in die Welt setzte, Hertha BSC habe mit Felix Magath bereits einen neuen Trainer für die kommende Saison verpflichtet, ging das voll auf Kosten der Autorität des derzeitigen Trainers Karsten Heine. Ohne Gegenrecherche hatte der Bayrische Rundfunk die Aussage eines anonymen Informanten übernommen, der sich als Assistent von Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder ausgegeben hatte. „Trainer-an-die-Wand-nageln“ ist halt eine tolle Neuigkeit und Hauptsache, man war Erster an der Meldungsfront. Wenn man dabei eben auch die eine oder andere Ente auf den Informationsteich setzt, kann man sich ja anschließend immer noch entschuldigen und aus den Dementis vielleicht sogar noch weitere Nachrichten herausschlagen.
Nun sind Beispiele für schlampigen Journalismus sicherlich weder neu noch einmalig, anders verhält es sich da mit den erstaunlichen Einlassungen des hessischen FDP-Vorsitzenden Jörg-Uwe Hahn hinsichtlich der Trainerfrage bei der Frankfurter Eintracht.
Unter Hinweis auf eine millionenschwere Bürgschaft der hessischen Landesregierung, die überhaupt erst die Bundesligalizenz gesichert habe, fordert dieser offensichtlich unterforderte Politiker und Hobbyfußballmanger schriftlich die Entlassung Friedhelm Funkels. Instinktiv möchte man dem Herrn zurufen, welcher Vertrauensbürgschaft seine Lohn- und Rentenansprüche geschuldet sind und welchen Aufgabengebieten er sich dabei eigentlich verpflichtet hat.
Vielleicht aber sind wir in Hessen auch nur in ein dem Klimawandel geschuldetes, vorgezogenes Sommerloch geraten, wo bekanntlich viel gekräht und wenig gesagt wird. Der Verein müsse zielorientiert und vernünftig reagieren, forderte Hahn vom Vereinsvorstand Heribert Bruchhagen, der tat dies mit ausgiebigem Kopfschütteln und der Anmerkung: „Wir stehen in der Kritik. Aber das werde ich nicht kommentieren.“
Recht so! Schluss mit dem Gebabbel, man kann auch einfach mal die Klappe halten.
L.
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