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Kolumne

Sport in Nordrhein-Westfalen / Sportanlagen in Nordrhein-Westfalen - Ganz schön verrückt

Ganz schön verrückt

Schnell, hart, spektakulär – warum ist Handball nicht Bundessportart Nummer eins?
Torhüter und Linksaußen sind eine besondere Spezies Mensch. Behaupten die Fußballer. Nun gut: Linksaußen gibt es nur noch in Holland und auf Schalke, bleiben also die Keeper. Die wiederum dürften nicht ansatzweise so verrückt sein wie ihre Kollegen aus dem Handball-Tor. Denn ganz ehrlich: Wer sonst lässt sich einen hart aufgepumpten Ball mit der gefühlten Wucht von 357 Stundenkilometern aus geschätzten 2,47 Meter Entfernung ins Gesicht werfen und jubelt danach frenetisch? Zumindest in dem Fall, dass die schwer erschütterten Synapsen mehr zulassen als flaches Atmen bei direktem Ganzkörperkontakt zum Hallenboden.

Überhaupt ist die vermeintliche Verrücktheit der Fußballer im Vergleich zu den Handballern dezent anzuzweifeln. Okay, Dortmunds kickender Verteidiger Christian Wörns macht bei Eckstößen nichts anderes als jeder Handballer mit dem gegnerischen Kreisläufer. Eine Ausnahme. Aber sonst? Pro Spiel fallen durchschnittlich drei Tore, beim Handball sind’s rund 50. Das fußballspezifische Quergeschiebe (offizielle Ausrede: den Gegner aus der Abwehr herauslocken . . .) wird beim Handball als Zeitspiel ausgelegt und abgepfiffen. Mehr Tore, weniger Zeitverlust und dann auch noch eine Vielzahl knackiger Zweikämpfe – da fragt man sich doch, warum nicht Handball Bundessportart Nummer eins ist. Zumal es – wie beim Boxen – zusätzlich noch den einen oder anderen kapitalen Knockout zu bejubeln gibt.

Schlappe elf Prozent der Deutschen wussten vor der gerade laufenden Weltmeisterschaft, dass sich die Handball-Elite zum ultimativen Showdown in den Hallen der Republik versammelt. Sicher werden es mit jedem gewonnenen Spiel der deutschen Nationalmannschaft mehr, aber Autokorsos durch die Innenstadt, Fahnenmeere und Millionen Zuschauer beim Public Viewing werden definitiv ausbleiben. Warum? Handball ist schnell, spektakulär und hart. Zu sehen im Falle deutscher Beteiligung in den „Öffentlich-Rechtlichen“ und ansonsten im DSF. Noch bis zum 4. Februar. Danach wird man lange auf besseren Sport warten müssen.

mbu.

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