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Kolumne
The World Mountain Bike Bog Snorkeling Championships
Fahrrad-Tour unter Wasser. Eine sportliche Hymne auf die (beinahe) kleinste Stadt Großbritanniens.
Llanwrtyd Wells – schon der Name dieser nach eigener Einschätzung kleinsten Stadt Großbritanniens im Südosten von Wales zeugt von der Sehnsucht nach Einzigartigkeit. Und auch wenn penible Erbsenzähler möglicherweise ein noch kleineres Städtchen entdecken sollten, Llanwrtyd Wells tut, was man als kleinste Stadt eben tun muss: Mehrmals im Jahr dreht es durch!
Schon der „Man versus Horse Marathon“, der jährlich Mensch und Tier alles abverlangt, wäre eine schriftliche Huldigung wert. Aus einer Pub-Diskussion entwickelte sich in den frühen 80er Jahren dieser Wettbewerb, der beweisen sollte, dass der Mensch zu Fuß dem Mensch zu Ross auf einer Strecke von 22 Meilen rauen Geläufs mehr als ebenbürtig sei. Tatsächlich konnte im Jahr 2004 erstmals ein Läufer, Huw Lobb, das schnellste Pferd hinter sich lassen.
Ein ungewöhnlicher Wettbewerb reichte den Einwohnern Llanwrtyd Wells auf Dauer natürlich nicht aus. Wie könnte man die kleinste Stadt Großbritanniens sein, wenn da nicht noch eins draufzusetzen wäre. Also blickte man sich kurz um zwischen der Gebirgskette Brecon Beacons und dem Fluss Irfon und stellte fest, wovon es hier am reichlichsten gibt: Torfmoor! Die Idee für die ersten Sumpfschnorchel-Weltmeisterschaften war geboren. Aber auch damit nicht genug, warum nicht im Moor unter Wasser auf dem Mountain Bike mit Taucherbrille und Schnorchel eine rund 40 Meter lange Cross-Strecke der besonders undankbaren Art abfahren?
Und tatsächlich fanden sich 2005 auch dafür freiwillige Kombattanten, die seitdem alljährlich im Rahmen der allgemeinen Sumpfschnorchel-Wettkämpfe die World Mountain Bike Bog Snorkeling Championships austragen. Vermutlich Zugereiste!
Das eigens für diese Tortour präparierte Rad erhält einen schweren Bleirahmen, die Reifen werden mit Wasser befüllt, der Fahrer trägt einen aus dem Tiefseetauchen bekannten Bleigürtel, um nicht hochgeschwemmt zu werden, und dann geht’s rein in die Suppe. Knapp fünf Minuten ist man in der Regel auf der dunklen Route unterwegs und taumelt dabei am Rande der totalen Verausgabung von ergreifender Hilflosigkeit zur Narrenkappe und zurück. Selbst das begleitende Rettungsteam zeigt sich unentschlossen zwischen Einsatzbereitschaft und Belustigung.
Am Ende aber erhebt sich majestätisch ein würdiger Champion aus den schwarzen Fluten des Torfmoors von Llanwrtyd Wells und setzt ein weiteres Zeichen dafür, dass hier – und nur hier – der rechte Ort für die kleinste Stadt Großbritanniens sein kann.
L.
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